Farbe bekennen

Farbe bekennen Ulm, Rathaus 2024 / privat

Farbe bekennen heißt es an vielen öffentlichen Gebäuden in unserem Land. So sehen wir seit dem Anschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober an vielen Rathäusern neben der ukrainischen nun auch die israelische Flagge. Als Zeichen der Solidarität und nicht zuletzt der besonderen Verpflichtung gegenüber den Juden.

Doch das ist nicht unproblematisch. In einigen Städten wurden die Flaggen beschädigt, heruntergerissen oder angezündet. Ist dieses einseitige Zeichen der Solidarität noch angemessen, fragen wir uns?

Die schnelle und entschlossene Reaktion Israels auf den schrecklichen Angriff konnte man noch verstehen, aber inzwischen hat sich der Konflikt jedoch zu einem völlig ungleichen Krieg, ja zu einem Völkermord an der palästinensischen Zivilbevölkerung entwickelt. Es scheint, dass die israelischen Aktionen in Gaza absichtlich, geplant und ohne Anzeichen eines Endes oder einer Verlangsamung fortgesetzt werden. Im Gegenteil, ohne Wasser, Lebensmittel und Medikamente für die betroffenen Menschen beschleunigt sich der Krieg noch. Es gibt keine Fluchtmöglichkeiten und an eine Rückkehr in die zerstörten Städte ist nicht zu denken. Inzwischen ist Israel vor dem Internationalen Gerichtshof wegen Völkermordes angeklagt. Und die israelische Führung brüstet sich offen damit, sich nicht darum zu scheren, was z.B. die UNO oder führende Politiker der Welt sagen.

Im jüngsten Situationsbericht des UN-Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) heißt es:

„Die Angriffe der israelischen Streitkräfte gehen weiter, es gibt Luftangriffe, Bodenangriffe und Bombardierung vom Meer entlang des gesamten Gazastreifens. Es gibt zivile Opfer und Vertreibung. Wohnhäuser sowie zivile Infrastruktur werden zerstört.

1,7 Millionen Menschen sind derzeit vertrieben, mehr als sieben von zehn Bewohner des Gazastreifens. Familien, die bereits mehrfach vertrieben wurden, sind wieder unterwegs wegen israelischer Militäroperationen und Anordnungen, Gebiete zu verlassen.

Am 9. Juli haben fast alle intern vertriebenen Personen (IDP) Rafah verlassen, nur ca. 100.000 sind geblieben. Die UNWRA wurde gezwungen, die Unterkünfte in Rafah zu leeren.

Am 6. Juni wurde eine UNRWA-Schule im Flüchtlingslager Nuseirat, in der rund 6.000 Menschen Zuflucht gesucht hatten, bombardiert. 40 Menschen wurden getötet, darunter 14 Kinder und neun Frauen. 74 weitere Personen wurden verletzt. Man geht davon aus, dass sich unter den Trümmern weitere Opfer befinden. […]

Von 17 koordinierten humanitären Unterstützungsmissionen im nördlichen Gazastreifen wurden zwischen dem 1. und 6. Juni acht von israelischen Behörden durchgeführt (47 Prozent), drei Missionen wurde der Zugang verweigert (18 Prozent), vier wurden verhindert (23 Prozent) und zwei wurden aus Sicherheitsgründen abgesagt (12 Prozent).

Die Zahl der getöteten UNRWA-Mitarbeiter lag am 9. Juni bei 193. Die Zahl der getöteten Palästinenser liegt (am 9. Juni) bei 37.084, die Zahl der Verletzten wird mit 84.494 angegeben." (Quelle)

Angesichts dieser Tatsachen zeigt die israelische Beflaggung an öffentlichen Gebäuden doch, dass wir solches Handeln akzeptieren. Und nicht nur das: Wir unterstützen aktiv die israelische Regierung mit Waffen und Geld. Wenn uns alle Beteiligten des Konfliktes, insbesondere die Zivilbevölkerung wirklich am Herzen liegt, sollten wir das auch zeigen, z.B. auch mit der palästinensischen Flagge. Oder mit einer neutralen Friedensfahne.

Vor allem aber muss auf einen Waffenstillstand gedrängt und die aktive Kriegsunterstützung sofort beendet werden!

 


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