Politisches Framing: Der Krankheitsbegriff einer digitalen Welt

Politisches Framing: Der Krankheitsbegriff einer digitalen Welt Von Bumiputra auf Pixabay

Über den tradierten Krankheitsbegriff bestand gesellschaftlicher Konsens: Ein Individuum ist entweder gesund oder krank.

Ein neuer, digitalisierter Krankheitsbegriff gestattet es den Herrschenden Millionen von Menschen als krank, gefährlich und gefährdet einzustufen. Möglich macht es ein politisches Framing, dem nur langsam beizukommen ist.

Krankheit ist etwas, das der Mensch spürt, was ihn einschränkt, worunter er leidet und das letztlich sein Leben beendet. Gesundheit ist dagegen idealerweise ein Zustand, den man nicht bemerkt. Sie stellt sich dar als Leistungsfähigkeit und Lebensfreude, welche der Mensch empfindet und positiv erlebt. Als Begriff tauchte das Wort vor der Privatisierung des Gesundheitswesens im Sprachgebrauch eher selten auf, etwa in Verbindung mit Institutionen, Personen oder gesellschaftlichen Themen wie Gesundheitsministerien, Gesundheitsamt oder Gesundheitsschuhe.

Mit der Privatisierung des Gesundheitswesens erfuhr der Begriff einen Aufschwung, der als Wellness-Narrativ bezeichnet werden könnte. Fitnessprodukte wurden als Gesundheit verkauft und zum Ideal einer ganzen Generation. Für seine Gesundheit konnte, ja musste man etwas tun. Und das hatte natürlich auch seinen Preis. Aber beide Begriffe, Krankheit und Gesundheit, markierten nach wie vor den Zustand einzelner Individuen. Sie beschrieben Einzelschicksale und waren als solche an erkennbare klinische Evidenzen gebunden. Darüber bestand in Wissenschaft und Gesellschaft Konsens. Historisch galten beide Begriffe immer als gegensätzlich. Menschen waren entweder gesund oder krank, beides konnte nicht gleichzeitig auftreten. Der Zustand einer noch unerkannten Krankheit wurde davon unterschieden.

Die weltweit von den Kräften des digital-finanziellen Komplexes verkündete Coronapandemie ist eine Angstkampagne, die mit einem davon abweichenden Begriff von Krankheit operiert. Ihr Erfolg beruht nicht alleine darauf, dass weltweit die Massenmedien die Botschaft von der „größten Gefahr der Menschheitsgeschichte“ einheitlich und zeitgleich verkündeten. Das alleine hätte nicht ausgereicht, die Menschen zu beeindrucken. Es erforderte vielmehr einen neuen Krankheitsbegriff, der sich in die digitalisierte Welt einpasst und die bekannten Normen und die mit ihnen verknüpften medizinischen Zusammenhänge ersetzt. Einen digitalen Krankheitsbegriff.

Krankheit war im Grundverständnis der Medizin wie auch der Gesellschaft bis zum Beginn des Jahres 2020 an klinische Evidenzen gebunden. Sie war feststellbar und spürbar für alle Beteiligten, Patienten wie Ärzte. Das drückte sich auch in der Sprache aus. Die Neudefinition des Begriffes bringt, um es mit den Worten von Aldous Huxley auszudrücken, einen Neusprech. Dieser besteht darin, dass:

  1. der Krankheitsbegriff gewissermaßen aus dem Bereich der klinischen Evidenzen in den Bereich von Infektion vorverlagert wurde. War eine Infektion früher noch keine Erkrankung, so wird genau das heute suggeriert. Infizierte Menschen sind gefährlich, werden generell als Krankheitsüberträger gebrandmarkt und müssen isoliert werden. Als Extrem des Neusprechs wird das üble Wort vom Superspeader bedenkenlos verwendet.
  2. Die klinische Evidenz wurde ersetzt durch einen digitalen Test, den PCR-Test. Von ihm wird behauptet, er könne im Sinne einer kausalen Beweisführung Elemente der Erkrankung aufspüren. Ob vergangene oder aktuelle Infektionen kann er zwar nicht spezifizieren, aber seine positiven Ergebnisse werden als Nachweis einer Erkrankung „verkauft“.
  3. Die Existenz des natürlichen Immunsystems, dessen Wirken vor allem im Bereich zwischen Infektion und Erkrankung bedeutsam ist, wird abgewertet. Es sei zu schwach, um starke Angreifer abzuwehren, so das Neusprech von Big Pharma, Institutionen und Politik. Das Vorhandensein von Antikörpern, also die körpereigene Immun- und Abwehrkraft, wird durch die digitale Kraft der Tests ersetzt, Wissenschaft durch Propaganda verdrängt.
  4. Die Bedeutung der Infektion wird zusätzlich dadurch überhöht, dass dem Coronavirus die quasi mythische Überlegenheit gegenüber dem Immunsystem zugeschrieben wird. Dagegen wirke nur die von außen kommende Hilfe der Pharmaindustrie in Form einer Impfung. Dem digitalen Test wird ein genetischer Impfstoff an die Seite gestellt. Digital und genetisch soll die Krankheit besiegt und Gesundheit wieder hergestellt werden, so der Kern des neuen Narrativs.
  5. Dieses Theorem gilt für alle Menschen, egal ob alt oder jung, Kind oder Erwachsener, stark oder schwach, arbeits- und leistungsfähig oder nicht, mit oder ohne Vorerkrankung. In seiner Verallgemeinerung erhebt es den Anspruch, Ausdruck des Fortschritts der Menschheit zu sein. Digitalisierung = Automatisierung plus Genetik ist die Zukunft der Menschheit, so das neue Narrativ.

Durch die Bindung des Krankheitsbegriffes an Elemente einer Infektion – also dass Infizierte oder vermeintlich Infizierte vom Staat als krank deklariert werden – lässt sich die Zahl der als krank „erkannten“ (positiv getesteten) Menschen beliebig von oben steuern. Die Zahl der tatsächlich Erkrankten tritt in den Hintergrund, spielt letztlich keine Rolle mehr. Mit der statistischen Methode der Inzidenzzahlen lassen sich beliebig viele dramatische Zuspitzungen wie auch Entspannung der gesundheitlichen Lage in einer Region, einem Land oder auf dem Planeten erzeugen.

Da das menschliche Immunsystem nach wie vor existiert und die übergroße Anzahl aller Infektionen abwehrt, entsteht das Paradoxon, dass Millionen vom Staat für krank erklärte Menschen dies weder merken noch krank sind. Für sie wurde das neue Narrativ der „asymptomatischen Erkrankung“ geschaffen, das von Patienten erzählt, die niemals merken würden, dass sie „krank“ sind, wenn man es ihnen nicht mittels eines Tests „beweisen“ würde. Der neue digitale Krankheitsbegriff kommt ohne eine solche Krücke nicht aus.

Soweit die Kennzeichen des neuen digitalen Krankheitsbegriffes. Man könnte diesen auch als Taschenspielertrick bezeichnen, hätte damit aber Probleme zu verstehen, warum weltweit die Menschen – auch Mediziner – darauf „hereinfallen“ oder bereit sind, diesen Begriff im täglichen Gebrauch zu übernehmen. Zur Entwicklung des Neusprechs, die sicher eine längere Zeit in Anspruch genommen haben dürfte, gesellt sich ein zweites wichtiges Element, das des politischen Framings. Damit ist die Tatsache gemeint, dass der bewusst erzeugte, kognitive Deutungsrahmen von Politik und Medien wie ein Trommelfeuer permanent auf die Menschheit abgeschossen wird. Ständige und beharrliche Wiederholungen auch der abstrusesten Theorien werden zur Wahrheit, das wussten schon die Nazis und verfuhren entsprechend.

Ein Element besteht darin, durch ständige Wiederholungen von zentralen Begriffen und Narrativen, wie etwa “Infektion ist Krankheit“ oder „Infektion ist gefährlich“, den neuen Krankheitsbegriff mit neuen Zusammenhängen in den Köpfen zu verankern. Bereits bei der Verwendung des Begriffes "Infektion" werden Eigenschaften wie die angebliche Überlegenheit des Coronavirus über das Immunsystem in den Köpfen der meisten Menschen aufgerufen und die verankerten Zusammenhänge aktiviert. Die damit verknüpfte Angst entsteht parallel dazu und entsprechende Abwehrmechanismen werden ebenfalls aktiviert. Wird etwa in einer Diskussion behauptet, die Infektion alleine sei noch nicht die Erkrankung und deshalb noch nicht gefährlich, stößt dies auf Abwehr, ja Empörung.

Das Gleiche gilt für die Impfung, die als „Schutz vor dem Virus“ in den Köpfen verankert wurde oder auch die Abstandsregeln. Nur so ist es erklärbar, warum Menschen bereits in Panik ausbrechen, wenn sie das Gefühl haben, ein anderer Mensch komme ihnen zu nahe, trägt keine Maske oder ist ungeimpft. Ob das tatsächlich zutrifft, spielt dabei keine Rolle. Am Beispiel Impfung lässt sich aber auch zeigen, dass politisches Framing seine Grenzen in der realen Entwicklung hat. Passt diese nämlich nicht mehr zu den ständig reproduzierten Narrativen, entsteht Vetrauensverlust, aber auch Verwirrung, Unsicherheit und zusätzliche Angst. Das gilt gerade in der aktuellen Situation des Jahresausgangs 2021. Rationalität und wissensmäßig gesteuerte Erkenntnisse gewinnen nicht automatisch die Oberhand. Sie sind nach wie vor kaum eine Option für das Verhalten vieler Menschen. Das braucht Zeit und kluge Aufklärung.

Hinweise und Quellen:
Elisabeth Wehling, Politisches Framing, Köln, Halem 2016, ISBN 978-3-86962-208-8

 


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