Uranmunition - ein Lieblingskind der Nato

Abgereichertes Uran fällt als Abfallprodukt der Nuklearindustrie an und es ist eines der schwersten Elemente, viel schwerer noch als Blei. Aus diesem Grund eignet es sich hervorragend für panzerbrechende Munition.

Die Nato hat diese im Irak- und im Kosovo-Krieg in großen Mengen eingesetzt und schweigt über die Kehrseiten des Urans -- es ist ein Schwermetall und radioaktiv.

Uran ist nicht Uran. In natürlichen Uranvorkommen findet sich immer eine Mischung aus zwei verschiedenen physikalischen Bauformen. Nur ca. 0,7% entfallen auf das spaltbare Uran-235, der Rest besteht aus Uran-238. Zur Herstellung von Brennelementen oder Atombomben wird das Ausgangsmaterial in der Regel auf einen Anteil von 5% Uran-235 angereichert. Damit fallen bei der Herstellung von einer Tonne Reaktorbrennstoff ca. 6 Tonnen Uran-238 als Abfallprodukt an.

Es ist ein gigantischer Abfallberg, der jeden Tag weiter wächst. Und es ist Sondermüll, ist es doch als Alpha-Strahler mit einer Halbwertszeit von 4,5 Mrd. Jahren vor allem beim Einatmen oder Verschlucken in hohem Maße gesundheitsschädlich.

Doch ungeachtet dessen, dient dieser Abfall der Herstellung von Uranmunition. Aufgrund der hohen Dichte entstehen bei den Geschossen sehr hohe kinetische Energien, die Mauern und Panzerungen spielend durchbrechen und eine immense Hitze erzeugen. Dabei zerfällt das Uran in feine Staubpartikel, die durch die Explosion in die Luft geschleudert werden.

Die USA und Großbritannien haben in den beiden Irak-Kriegen, aber auch beim Krieg in Serbien und im Kosovo mehrere hundert Tonnen Uranmunition verschossen und damit Teile der Landschaft radioaktiv verseucht. Bei den Menschen führt eine Vergiftung zu zusammenbrechenden Immunsystemen, Leukämien, Fehlgeburten und Missbildungen bei Kindern.

"Das sind alles schlechte Prognosen hier, die Kinder leben nicht mehr lange [..] Furchtbare Situation. Das bedrückt mich alles so, wenn ich das sehe. Furchtbar, Furchtbar, Furchtbar.", so der Arzt Prof. Siegwart-Horst Günther bei einem Besuch im Mutter-Kind-Krankenhaus in Basra im Irak. Seit er von der Häufung von Krebs und Missbildungen erfahren hat, hat er sich viele Jahre seines Lebens mit der Aufdeckung und den Folgen dieser Verseuchung beschäftigt.

Während die Nato-Staaten den Einsatz und/oder die Gefährlichkeit der Uran-Munition leugneten, sammelte Günther Beweise und dokumentierte den angerichteten Schaden.
Nachdem ihm auffiel, dass Kinder in den Panzerwracks oder mit Munitionsresten spielten, nahm er 1995 einen Munitionsrest in einem Diplomatenkoffer mit nach Berlin. Er ließ ihn bei der Humboldtuniversität und der Technischen Universität untersuchen, die allerdings sehr abweisend auf das toxische Material reagierten. Als er bei dritten Universität anfragte, wurde er verhaftet und wegen "Freisetzung ionisierender Strahlung" zu einer Geldstrafe verurteilt. Günther verweigerte die Zahlung und ging für fünf Wochen ins Gefängnis, aber an der Gefährlichkeit der Uranmunition gab es jetzt keinen Zweifel mehr.

An Zivilcourage hat es Günther wohl nie gefehlt, war er doch in jungen Jahren ein Mitglied des NS-Widerstandes um Stauffenberg und überlebte dann nur knapp das KZ Buchenwald. Auch seine Beziehung zum Nahen Osten hatte er früh aufgebaut: Nach dem Studium von Medizin, Ägyptologie und Philosophie in Jena (DDR) und einem Aufenthalt bei Albert Schweitzer war er lange Zeit in Ägypten, Syrien und im Irak tätig.

Frieder Wagner dokumentierte 2007 die Gefährlichkeit der Uranmunition in der Reportage "Deadly Dust - Todestaub" (basierend auf der kürzeren Reportage "Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra" von 2003). Es ist gleichzeitig eine Hommage an den 2015 gestorbenen Siegwart-Horst Günther.

In der Dokumentation werden sowohl die Irakkriege wie auch der Kosovo-Konflikt behandelt. Wenn ein Betroffener sagt: "Heute sehe ich, dass es ein gut vorbereiteter Krieg war, dreckig und heimtückisch. Dass wir nur Spielfiguren waren, an denen man alles ausprobieren konnte. Oder man wollte etwas loswerden, wovon man zuviel hatte." kommt damit die Frage schon gut zum Ausdruck, ob die Kriegsschauplätze nicht auch Testgelände für neue Waffen und Entsorgungsgelände für die Müll der Nuklearindustrie waren.

Waffen, Überreste von Panzern und kontaminiertes Gelände werden einfach zurückgelassen, und radioaktiver Staub lässt sich mittlerweile sehr weit entfernt von den Kriegsschauplätzen nachweisen. Doch auch für die Kriegsveteranen, die von Schäden betroffen sind, wollen die Regierungen keine Verantwortung übernehmen und verweisen auf eigene negative Studien. Ebenso sieht die WHO keine Verbindung von Uranmunition und Krebs, die allerdings in Fragen von Strahlungserkrankungen aufgrund ihres Abkommens mit der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) kaum ernst zu nehmen ist.

Doch lassen wir am Ende Prof. Günther noch einmal zu Wort kommen:

"Ich frage mich, ob die alliierten Truppen, die hier [im Irak] Massenvernichtungswaffen finden wollten, durch die Uranmunition nicht selber eine Massenvernichtungswaffe zum Einsatz gebracht haben."

Wenn dem so wäre, wäre diese -- übrigens in Deutschland entwickelte Technologie -- nach der Genfer Konvention verboten. Sie bringt weit über den Krieg hinaus Krankheit und Tod. Aber mit Waffen ist es wie mit Drogen, man kommt so schlecht davon weg. Und so werden wohl noch viele Menschen an den Folgen der Uranmunition sterben.

 

Quellen und Verweise:
Wikipedia Uran
Wikipedia Anreicherung
Wikipedia Siegwart-Horst-Günther
Wikipedia Uranmunition
Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra
ICBUW Deutschland
WHO und IAEO
Scharping zur Uranmunition


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