Offene Zensur im ZDF

Offene Zensur im ZDF Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Am 2. Dezember lief im ZDF wieder eine Sendung mit Markus Lanz über das allgegenwärtige Thema Corona. Dabei hat der CDU-Politiker Carsten Linnemann auf das Problem deutlich hingewiesen, dass vor allem die Restaurant-Ketten an den Corona Hilfen verdienen.

Doch offensichtlich war diese Information nicht für die Bevölkerung gedacht und wurde deshalb in der Version in der Mediathek ganz einfach entfernt.

Wie der Anti-Spiegel berichtet, hat die ZDF kurz nach der Sendung diese aus dem Netz entfernt und später wieder eingestellt. Was dabei zunächst unbemerkt blieb: Ca. zwei Minuten der Aufzeichnung wurden entfernt, ohne jeglichen Hinweis darauf.

Das Video aus der Mediathek ist bei Minute 55:20 sehr geschickt geschnitten und so um einen interessanten Diskussionsabschnitt ärmer. Thema war die Corona-Novemberhilfe für Gastwirte. Die Bundesregierung hat sich bereit erklärt, 75% des Umsatzes zu erstatten -- eine äußerst großzügige Hilfe. Andere Ländern orientieren sich erst gar nicht am Umsatz, die einzige Ausnahme ist Frankreich, das jedoch lediglich 20% erstattet.

In dem geschnittenen Teil wird offengelegt, dass diese Hilfe nicht nur den "kleinen" Gastronomien zugute kommt, sondern auch McDonalds und Starbucks diese Zuwendung erhalten. Diese können damit einen guten Gewinn machen, denn die Hilfe gibt es zusätzlich zu den Einnahmen aus den Außer-Haus-Geschäften wie z.B. McDrive. Und wenn dann auch noch das Personal in Kurzarbeit ist, fließt viel öffentliches Geld in die Kassen derer, die es nicht unbedingt benötigt hätten -- gut möglich, dass dies gar nicht so unbeabsichtigt ist (vgl. Ein unsäglicher Weihnachtsmann).

Der fehlende Teil lässt sich hier anschauen, wurde aber auch vom Anti-Spiegel, wie folgt transkribiert:

Linnemann: Die Ausgestaltung dieser Programme, Herr Lanz, die diskutieren wir nicht im Deutschen Bundestag. Ob Abschreibungen drin sind, oder wie die Details sind, sondern das macht die Exekutive. Das ist auch grundsätzlich erstmal richtig. Wir entscheiden über den Geldrahmen, wo ist Schluss und wie kann es sein, äh, dass…

Lanz: Aber Sie wissen schon, dass… ganz bestimmte Trigger-Wörter finden da jetzt statt. Also Starbucks ist zum Beispiel ein Unternehmen, das zum Beispiel dadurch aufällig geworden ist, dass – in den letzten Jahren immer wieder – dass sie in Deutschland so gut wie keine Steuern zahlen.

Linnemann: Das ist das Problem, ich sag mal, jede Kneipe, jedes Restaurant, die haben das Problem…

Lanz: Und Starbucks betrifft das auch? Die kriegen auch 75 Prozent des Novemberumsatzes erstattet?

Linnemann: Starbucks ist natürlich ein ganz interessanter Fall. Ja, erstens. Zweitens…

Lanz: Das heißt die zahlen in Deutschland so gut wie… Oh, ich muss jetzt aufpassen, wenig Steuern…?

Cerstin Gammelin: (Journalistin und Talkgast in der Sendung): Die haben Steuersparmodelle.

Lanz: Steuersparmodelle, das ist das schöne Wort dafür.

Linnemann: In Deutschland muss man 15 Prozent Gewinnsteuern, sogenannte Körperschaftssteuern, zahlen. Insgesamt Unternehmenssteuern ungefähr 30 Prozent.

Lanz: Und deutsche Steuerzahler stehen jetzt für 75 Prozent des Novemberumsatzes gerade?

Linnemann: Ja, plus sie dürfen weiterhin das Außer-Haus-Geschäft machen. Um es mal klar zu sagen: Ich habe doch nichts gegen die Kneipen, die kleinen Restaurants. Die haben ja wochen- und monatelang keine Umsätze gemacht. Aber das solche Konzerne, ja, ich will nicht sagen, das Geschäft ihres Lebens machen, dann krieg ich morgen, ich krieg morgen, Herr Lanz, da sind Sie schuld dran, ich krieg morgen wahrscheinlich wieder so viele Mails, dass das alles nicht so ist…

Lanz: Moment. Sie sind schuld, wenn Sie solche Gesetz machen.

Linnemann: Ja, ist ja auch Okay, ich hab's gerade erklärt…

Lanz: Und ich frag nur nach. Ich kann ehrlich gesagt kaum glauben, was ich da höre.

 

Quellen und Verweise:
Artikel im Anti-Spiegel
Lanz in der ZDF-Mediathek
Geschnittene Passage
Anti-Spiegel zu der Verteilung der Corona-Hilfen


Gelesen 849 mal