Blautopf – Kärtchen für mehr Transparenz

Wir freuen uns sehr, Euch auf unserer Internetseite zu begrüßen! – Bienvenue sur notre site!

(La version française se trouve sous l'accueil en allemand.)

US-Wahlen: Es könnte auch anders kommen

US-Wahlen: Es könnte auch anders kommen Weißes Haus - Bild: Majonaise auf Wikipedia.org

Die größte Umfrage aller Zeiten zu den US-Präsidentschaftswahlen spekuliert: Wenn entweder Trump oder Biden ausscheiden, wird RFK Jr. wahrscheinlich Präsident werden.

Wir haben uns schon länger nicht mehr mit dem Stand der US-Präsidentschaftswahl befasst. Diese sind in den Windschatten der Kriege in der Ukraine, in Gaza und im Jemen geraten. Auch wenn sie – Stand 18. Mai 2024 – längst nicht entschieden sind, dürfte ihr Ausgang dennoch massive Auswirkungen auf die Präsidentschaftswahlen haben. Aber bis zum 5. November wird noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen. Eine zusätzliche und immer massiver gepushte Nummer sind die innenpolitischen Auseinandersetzungen in den USA. Sie sind eine kunterbunte Mischung von Intrigen, Strafverfahren, Bestechungsvorwürfen und Senilitätserscheinungen, die eine Vorhersagen des Wahlausgangs in etwa so valide erscheinen lassen, wie eine Lotterieteilnahme. Aus beiden genannten Ebenen, der außenpolitischen wie der inneren Situation, lässt sich vorerst nichts ableiten.

Trotzdem werden fleißig und nahezu täglich in den USA neue Meinungsumfragen durchgeführt, die am darauffolgen Tag wieder im Papierkorb landen. Das „politikinteressierte“ Publikum dürfte die jeweils neuesten „Polls“ mit ähnlich innerer Spannung verfolgen wie bei uns die Bundesligageschehnisse. Allerdings hat sich, relativ unbemerkt, eine interessante Veränderung ergeben. Durch die vielen Imponderabilien auf dem Gefechtsfeld könnte ein Mann nächster Präsident werden, den viele der europäischen US-Fans nicht oder kaum auf dem Radarschirm haben: der unabhängige Robert F. Kennedy Junior (RFK jr.). Er ist der Neffe des ehemaligen Präsidenten John F. Kennedy und Sohn von dessen Bruder Robert F. Kennedy. Beide waren ermordet worden. Der Präsident im Jahr 1963, sein Bruder 1968. Die Kennedys gelten heute als die letzten Ikonen des Vor-Neoliberalen Zeitalters und Vertreter einer nicht auf Krieg fixierten US-Außenpolitik.

Also schauen wir uns einmal an, was passieren müsste, damit der Außenseiter RFK jun. ins Spiel käme. Was könnte dazu führen, dass das bisherige Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Joe Biden und Donald Trump umschlägt? Nehmen wir an, entweder Biden oder Trump werden in einem dieser für Europäer schwer verständlichen Gerichtsverfahren verurteilt, oder Biden wird zusammen mit Netanjahu zum Mitangeklagten, wenn der Internationale Strafgerichtshof den Fall des Völkermords im Gazastreifen aufgreift. Eine andere Möglichkeit bestünde darin, dass die Ukraine vor den Wahlen am 5. November von Russland besiegt wird. Im Moment spricht einiges dafür. Die Hunderte von Milliarden Dollar, welche die US-Regierung und die europäischen Vasallen seit dem 24. Februar 2022 und davor der Ukraine zur Verfügung gestellt hatten, wären entgegen Bidens Theorie keine „großartige Investition“, sondern futsch. Das würde Joe Biden angekreidet. Beide Annahmen könnten zum Zweikampf entweder Biden gegen RFK Jr. oder Trump gegen RFK Jr. führen.

Aber es existieren noch weitere „Wenn‘s“ und „Dann‘s“. Möglich wäre, dass einer der beiden 80-jährigen bzw. bald 80-jährigen Kandidaten noch vor dem Wählen am 5. November tot umfallen würde. Wir wollen das natürlich keinem wünschen, aber so total aus der Welt gegriffen scheint es auch nicht. Oder Hunter Biden, der Sohn des Präsidenten, könnte verurteilt werden, und der Bestechungsfall gegen Präsident Biden könnte öffentlich werden. Da steckt noch Musike drin, wie der Berliner zu sagen pflegt. Über die mögliche Entwicklung des Gaza-Konfliktes wollen wir hier nicht spekulieren, aber die heftigen Auseinandersetzungen an den amerikanischen Universitäten über dieses Thema beinhalten ein weiteres Potenzial möglicher Entgleisungen der amerikanischen Innenpolitik.

Bei der bisher größten Umfrage im Präsidentschaftswahlkampf wurden in der ersten Mai-Woche 2024 genau 26.408 wahrscheinliche Wähler befragt. Damit ist gemeint, dass nicht nur die registrierten Wähler, sondern diejenigen Personen, die aussagten wahrscheinlich wählen zu gehen, befragt wurden. Das scheint ungewöhnlich. Bei den bisherigen Umfragen ist es üblich, lediglich die registrierten Wähler zu interviewen. Wie es scheint, bietet diese Methode eine weitaus präzisere Vorhersage über die Wählerstimmen, die am 5. November 2024 abgegeben werden und die im sogenannten Electoral College zu tragen kommen, wenn am 4. Mai 2024 von den Wahlmännern und Wahlfrauen der 50-Staaten über den Präsidenten entschieden wird. Ob dieses präzisere Methode der Wahlforscher angesichts der oben beschriebenen Unsicherheiten allerdings von irgendeiner Bedeutung für den Wahlausgang sein wird, scheint zweifelhaft.

Aber kommen wir nochmals auf die aktuellen Spekulationen der „Polls“, also der Umfragen zurück. Wenn es die Konstellation Trump gegen Biden sein würde, dann gewinnt Trump mit 294 Stimmen gegen Biden mit 244. Das wäre recht deutlich. Sollte RFK Jr. der Gegner von Biden sein, dann zöge RFK Jr. mit 367 Stimmen gegen Biden mit 171 Stimmen davon. Eine scheinbar eindeutige Sache. Wenn es RFK Jr. gegen Trump sein sollte, dann fiele das Rennen knapper aus: RFK Jr. dürfte mit 270 Stimmen gegen Trumps 268 Stimmen knapp vorne liegen. Also auch dann dürfte RFK Jr. wahrscheinlich gewinnen.

Für den Fall, dass alle drei Männer am 5. November noch im Rennen sein sollten, würden die meisten Wähler nicht für Kennedy stimmen, weil er nicht als Kandidat einer der beiden Parteien antritt. Sie würden stattdessen nur zwischen Biden und Trump wählen. Allerdings stellt sich die Frage, welchem der Kandidaten die Teilnahme Kennedys bei diesem Dreier-Wettbewerb mehr Stimmen und damit den Sieg kosten würde. Würde RFK jr. Joe Biden mehr Stimmen wegnehmen oder Donald Trump? Die meisten Umfragen zu den drei Präsidentschaftskandidaten in den USA deuten darauf hin, dass Kennedy dem Kandidaten Trump einen kleinen Vorteil von etwa 1 oder 2 Prozent gegenüber Biden bringen würde - nicht andersherum.

Selbst wenn am 5. November nur Trump und Biden im Rennen sein sollten, gilt es bei den Wahlforschern inzwischen als wahrscheinlich, dass Trump den Amtsinhaber schlagen wird. Wenn also RFK Jr. am 5. November als dritter Kandidat auf dem Stimmzettel stünde, hätte das wahrscheinlich keinen Einfluss auf das Endergebnis. Bei diesen Spekulationen wird davon ausgegangen, dass Kennedy in allen 50 Staaten auf den Wahlzetteln steht, was nicht unbedingt der Fall sein wird. Auch wenn sich diese Umfrage mit ihren 26.408 teilnehmenden Personen von den „normalen“ Polls, bei denen landesweit jeweils nur zwischen 1.000 und 2.000 Personen befragt werden, deutlich unterscheidet, kann sie nicht darüber hinweg täuschen, dass sie die politischen Veränderungen der nächsten fünf Monate nicht erfassen kann. Und die werden kommen, das dürfte so sicher sein, wie das Amen in der Kirche.

Quellen und Verweise:
50-State-Horserace – John Zogby Strategies Interactive Surveyof US Likely Voters, im Zeitraum vom 13. bis 21. April 2024
Neue Umfrage: Kennedy holt auf, scienzz 9. November 2023


Gelesen 279 mal