Artemisia als Corona-Medikament?

Artemisia als Corona-Medikament? Bild von jhenning auf Pixabay

Neben der Neuentwicklung von Medikamenten lohnt es immer auch in die Schatzkiste der vorhandenen Heilmittel zu schauen. Denn hier finden sich auch potente Kandidaten zur Behandlung von Covid-19.

Dass diese nicht mit dem gleichen Stellenwert untersucht werden wie die neuen Impfstoffe, zeigt deutlich den gewinnorientierten Aspekt dieser Krankheit.

Eine neue Krankheit wie Covid-19 ist immer eine Herausforderung, da Therapien und medikamentöse Behandlungen erst einmal gefunden und getestet werden müssen. Allerdings ist es ein merkwürdiger Lösungsansatz, sowohl die finanzielle Unterstützung als auch die mediale Aufmerksamkeit ausschließlich auf eine schnell herbeigezauberte und entsprechend risikobehaftete Impfung zu konzentrieren. Dadurch wird ein übermäßiger Erfolgsdruck aufgebaut, der dazu führt, dass Erfolge überbewertet werden bei gleichzeitigem Herunterspielen der Risiken. Zum anderen verbaut man sich Alternativen, die gerade beim Versagen der Impfstrategie sehr wichtig wären.

Von Anfang an wurde die Suche nach möglichen Medikamenten innerhalb der großen Gruppe bereits bekannter Wirkstoffe vernachlässigt, obwohl z.B. die Forschergruppe des FLCCC das Parasitenmittel Ivermectin empfiehlt. Diesem Medikament bescheinigen mittlerweile mehrere Studien ein hohes Potential, schwere Krankheitsverläufe von Covid-19 zu verhindern.

Neben synthetischen Wirkstoffen gibt es die große Gruppe der pflanzlichen Wirkstoffe, von denen viele antiviral und entzündungshemmend wirken und zumindest prophylaktisch eingesetzt werden könnten [1]. Eine Pflanze, die in der chinesischen Medizin schon lange gegen Malaria eingesetzt wird, bescherte 2015 der Pharmakologin Tu Youyou den Medizin-Nobelpreis: Der einjährigen Beifuß (Artemisia annua). Sein wichtigster Wirkstoff Artemisinin ist mittlerweile Standard bei der Behandlung von Malaria und zeigt auch bei einigen Krebsarten einen wachstumshemmenden Effekt. Momentan wird untersucht, ob Artemisinin in Kombination mit anderen Stoffen, vor allem Kaffee oder Tee, auch bei Covid-19 helfen kann. [2]

Irmtraud Geywitz hat im folgenden einige Quellen und Studien zusammengestellt, die sich mit dem Einsatz von Artemisia annua bei Covid-19 beschäftigen.

Artemisia Annua ist eine gut untersuchte Pflanze, wie der Übersichtsartikel von Axelle Septembre-Malaterre et al. zeigt. In diesem werden die sechs Inhaltsstoffe dieser Pflanze beschrieben, die antiviral, entzündungs- und krebshemmend wirken. Desweiteren wirken diese Substanzen gegen einige Viren wie z.B. Hepatitis C, Cytomegalie, Herpes simplex, Epstein Barr, Polyoma und Papilloma. Auch  gegen HIV zeigte eine Kombination von Tee und Artimisia gute Erfolge. [7]

Eine chinesische Studie untersuchte bereits 2005 zweihundert Pflanzen aus der traditionellen chinesischen Medizin auf ihre antivirale Wirkung gegen SARS-CoV-1, das ebenfalls die Atemwegsorgane angreift. Davon waren vier vielversprechend und von diesen wiederum nur eine leicht zu vermehren: Artemisia annua. Die Forscher schließen:

"In conclusion, the compounds extracted from A. annua, L. radiata, P. lingua, and L. aggregata have been identified to show antiviral activity against SARS-CoV in Vero cell-based CPE/MTS screening. [...] The results from our study provide strong support for the usage of these herbs to treat SARS-CoV infectious diseases." [4]

  • Aufbauend auf diesen Ergebnissen, untersucht das Max-Planck-Institut in Potsdam in weltweiten klinischen Studien, darunter auch an der FU-Berlin, die Wirksamkeit von Artemisia annua bei Covid-19. Die Ergebnisse sind vielversprechend und Publikationen dazu in Vorbereitung. [5,6]
  • Auf Madagaskar wird ein Kräuteraufguss, der auch Artemisia enthält gegen Covid-19 empfohlen [7]. Es finden sich auch Berichte, nach denen Madagaskars Präsident behauptet, die WHO "habe ein Bestechungsgeld in Höhe von 20 Millionen US-Dollar angeboten, um ein in seinem Land entwickeltes pflanzliches COVID-19-Heilmittel zu verteufeln." [12]
  • Die indische Firma Windlas Biotech und der kalifornische Hersteller Mateon Therapeutics haben ein Artemisinin-haltiges Nahrungsergänzungsmittel entwickelt, das als Hilfsmittel für die Covid-19-Behandlung eingesetzt werden soll. [8]
  • Die Firma Oncotelic hat eine Studie mit dem in Indien verwendeten Präparat Artiveda durchgeführt, welches hauptsächlich aus Artemisia hergestellt wird. Bisher wurden nur 300 Probanden untersucht, die Studie soll aber auf 3.000 ausgeweitet werden. Hier wird auch die Wirkung gut beschrieben. [9]
  • Die australische Firma MGC Pharma berichtet von einer erfolgreichen Studie, bei der 50 Covid-19-Patienten in Israel und Indien an einer Doppelblindstudie teilnahmen. Davon wurden 17 in der Kontrollgruppe mit einem Placebo behandelt, 33 Patienten erhielten eine Mischung aus Artemisinin und Curcumin. Mit dem Ergebnis, dass vier Personen der Placebogruppe Sauerstoffzufuhr oder Beatmung benötigten, während niemand aus der Artemisinin+Curcumingruppe darauf angewiesen war. [10]
  • Die Firma Mateon hat eine Untersuchung zu Artimisin in Afrika, Indien und Südamerika begonnen. [11]

Quellen und Verweise:
[1] Phytotherapie und Corona
[2] Wiki: Einjähriger Beifuß
[3] Chinese researchers discovered effectiveness of artemisinin against malaria
[4] Identification of natural compounds with antiviral activities against SARS-associated coronavirus
[5] Presseinformation FU Berlin
[6] MPI Artemisia annua to be tested against coronavirus
[7] Artemisia annua, a Traditional Plant brought to Light, Int.J.Mol.Sci.2020,21,4986
[8] Artemisinin for COVID-19: Indian and US firms launch clinically tested supplement after ayurvedic regulatory approval
[9] ARTIVeda
[10] Studie MGC Pharma
[11] Pressemitteilung Mateon Therapeutics
[12] Madagaskars Präsident: WHO habe 20 Millionen Dollar Bestechungsgeld angeboten, um das Covid-19-Mittel zu kontaminieren
[14] Webseite von Anamed
[15] Artemisia annua: Trials are needed for COVID-19

 


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