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Deutsche Industrieprodukte immer weniger gefragt

Deutsche Industrieprodukte immer weniger gefragt Quelle: German Manufactoring PMI

Die deutsche Wirtschaft stecke in einer Stagnation, so die Medien und erwecken den Eindruck, dies sei eine vorübergehende Schwäche.

Die wirkliche Frage ist, ob der ehemalige Exportweltmeister noch das produziert, was die Welt wünscht und benötigt.

Die Topmeldung dieser Tage lautet „Stagnation der deutschen Wirtschaft“. So beschreibt die Financial Times das zweite Quartal 2023. Das klingt nach Horror. Diese Sichtweise wird inzwischen von vielen Propagandisten in den Systemmedien geteilt und sogar deutsche Wirtschaftsführer sprechen darüber. Die einen formulieren, Deutschland sei Schlusslicht bei der IWF-Konjunkturprognose, andere beziehen sich auf entsprechende PMI-Umfragen (Purchasing Managers Index). Der Horror von der Deindustrialisierung scheint Realität zu werden. Nur die grünen Ampelmännchen in Berlin machen auf Optimismus.

Stagnieren bedeute stehen bleiben, sich nicht mehr bewegen. Es wird der Eindruck hervorgerufen, die Aussichten für die deutsche Industrie seien zwar düster, ähnlich wie unmittelbar nach der Finanzkrise 2008, aber aus diesem Schlamassel sei man ja auch wieder herausgekommen. Tatsächlich ist die These, die deutsche Wirtschaft gehe gerade nirgendwo hin, wachse und schrumpfe nicht, sondern trete auf der Stelle, eine Verharmlosung. Sie beschreibt nicht den wirklichen Vorgang.

Die wahre Geschichte hinter den schlechten Zahlen ist der immer schneller werdende Rückgang bei den Industrieprodukten. Wohlgemerkt bei den Industrieprodukten und nicht bei den Konsumproduktion, der Rüstungsindustrie oder deren Kosten bzw. Profiten. Es schaut so aus, dass es der Beginn einer historischen politischen Wende, aber auch eines globalen ökonomischen Kampfes zu sein scheint. Geht man davon aus, dass das industrielle System schrumpft und die Exportposition gerade Deutschlands erodiert, muss man fragen, ob der ehemalige Exportweltmeister das produziert, was die Welt wünscht und benötigt. Die aktuelle Situation würde sich nicht ändern, wenn morgen die Entscheidung fiele, sich mit den Russen zu versöhnen, um die ehemalige  Energieversorgung wieder herzustellen. Zum einen würde es Jahre dauern, die Nord-Stream-Pipelines zu rekonstruieren, wenn das überhaupt politisch möglich wäre. Aber Deutschland, wie der kollektive Westen, hat die Zeit für ein solches Handeln nicht mehr. Denn, zweitens, dies trifft eben nicht den Kern des Problems.

Bevor ich die Frage der Industrie und ihrer Produkte exemplarisch beleuchte, möchte ich darauf hinweisen, dass es sich nicht um ein rein deutsches Problem handelt, auch wenn Deutschland nach den Anschlägen auf die Gasversorgung – „friendly fire“ ist eine Verharmlosung – am stärksten betroffen scheint. An der hiesigen Wirtschaft hängt letztlich die gesamte EU. Die Tatsache, dass seit der Krise 2008 die EU-Wirtschaft netto lediglich um 6 Prozent gewachsen ist, zeigt, die Probleme liegen tiefer und sind älter. Die These, das industrielle System gehe zurück und die einst glänzende Exportposition erodiere, ist nicht neu. Deutschland wie die EU sind vom Export abhängig, im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, die auf ihre eigene machtpolitische Art und Weise Geldemission betreiben und andere Staaten ihre Schulden bezahlen lassen oder aus angestammten Märkten eliminieren. Die USA kann so ein statistisches Wachstum vorweisen, was aber mit wirtschaftlicher Stärke und mit der Produktion von notwendigen und gewünschten Waren nichts zu tun hat.

Der Neokonservatismus der vornehmlich amerikanisch dominierten Oligarchie hat daraus den illusionären Schluss gezogen, man könne das außer Kontrolle geratene Finanzsystem – manche nennen es Kasino-Kapitalismus – durch einen Neubeginn, einen Great Reset, wieder auf die Gleise setzen. Also mit der politischen Macht einer Weltregierung bzw. der Weltherrschaft alles richten. Da die Philosophie der NeoCons wie selbstverständlich davon ausgeht, dass die Probleme der Ökonomie nur von der Oligarchie selbst gelöst werden können, gehen sie nicht davon aus, dass ihre Industrieprodukte bei der Mehrheit der Menschheitsfamilie weder gebraucht und noch gewünscht werden. Diese Denke ist auch noch hierzulande die Vorherrschende. Aber der Prozess, in dem westliche Produkte immer weniger als vernünftige Gebrauchswerte angesehen werden und deshalb ihren Tauschwert immer weniger realisieren können, hat begonnen. Er wird nicht mehr zu stoppen sein, wie die Existenz der BRICS-Staaten und der über 40 Beitrittswilligen zeigt.

Als Beispiel für die Erosion des westlichen Industriesystems sollen hier drei Branchen angeführt werden, deren Industrieprodukte unter Druck geraten sind und die damit rechnen müssen, zukünftig aus dem Markt zu verschwinden. Wobei die besonderen Auswirkungen gerade auf die deutsche Wirtschaft nicht einfach ökonomische, sondern politische Gründe haben. Dabei spielt es eine große Rolle, dass China, Russland und die Länder des globalen Südens nicht den kapitalistischen Werdegang der angloamerikanischen und europäischen Welt mit ihren Denkmustern und ökonomischen Gesetzmäßigkeiten durchlaufen haben bzw. nicht daran gekettet sind. Sie haben andere Werte und Mentalitäten entwickelt, die auch deren Wirtschaft prägen. Das führt zu grundlegenden Veränderungen in deren Wirtschaft und eben auch bei den Industrieprodukten. Ein besonderer Schwerpunkt dürfte Afrika werden, das seine Entkolonialisierung gerade in die eigene Hand zu nehmen beginnt.

Bei unseren Beispielen handelt sich um die Automobilindustrie, die Pharmabranche bzw. das Gesundheitswesen und die Rüstungsindustrie. Auch wenn man weitere Beispiele wie die Landwirtschaft, das Bauwesen, IT oder Mobilität anführen könnte, wollen wir es bei diesen dreien belassen.

Im Automobilbau wurde der E-Antrieb lange Zeit – in Deutschland bis heute – als grünes Fortschrittsprodukt verstanden, mit dem die angebliche Klimakatastrophe verhindert werden könne. Die Chinesen hingegen haben richtigerweise im E-Motor die einzige Möglichkeit gesehen, die deutsche Spitzentechnologie im Motorenbau auszustechen. Nikita Chruschtschow, ehemaliger KP-Chef der UdSSR, sprach in den 1960er Jahren einmal von der Methode „überholen ohne einzuholen“. Während in Deutschland grüne Ideologen Energiewende und Klimarettung im ideologischen Kampf zur Existenzfrage verklärten, versteifte sich die deutsche Automobilindustrie auf den Dieselmotor als Zukunftsprodukt.

In der Pharmaindustrie hat der industrielle Westen die Produktion herkömmlicher Medikamente weitgehend outgesourced und sich der Illusion hingegeben, mit Genetik und Digitalisierung nicht nur eine Standardisierung in der Medikamentenherstellung zu erreichen, sondern das menschliche Immunsystem komplett durch Impfungen und ander Pharmaprodukte ersetzen zu können. Also durch synthetische Produkte. Dabei ist nicht nur ein Desaster durch die Covid-19-Impfungen entstanden. Die ökonomischen Auswirkungen einer per Ordre de Mufti für krank erklärten Gesellschaft und die angebliche Schutzbedürftigkeit sowie Rettung der gesamten Menschheit durch die Oligarchie hat mit der Pandemiepolitik und deren Schäden eine unauslöschliche Blutspur hinterlassen. Westliche Gesellschaften, die am Tropf einer profitsüchtigen Industrie hängen und die eine interessengeleitete Wissenschaft betreiben, werden in den physischen wie psychischen Niedergang vor allem aber ins ökonomische Aus getrieben.

Das dritte Beispiel, die westliche Rüstungsindustrie, erlebt aktuell mit dem Ukrainekrieg ihr Coming out als Failed Industrie. Waffen und Munition, also die Produkte der Rüstungsmonopole, sind zwar nie in nennenswertem Umfang outgesourced worden. Aber sie sind zu Exportprodukten umfunktioniert worden, für deren Absatz nicht nur regelmäßige Kriege erforderlich sind, sondern ein ständig wachsender Absatzmarkt in Form der NATO. Sie werden primär nur noch unter Gesichtspunkten des Absatzes und der Rendite hergestellt, beworben und mit geringer Vorratshaltung verkauft. Denn Bevorraten ist nicht profitabel. Solche Hightech-Waffen sind weder automatisch kriegsfähig, noch werden sie im Ernstfall von den potenziellen Kunden bevorzugt. Der Ukrainekrieg, den die USA und der kollektive Westen bereits verloren haben, ist nicht nur ein menschliches, sondern auch ein ökonomisches Desaster, selbst wenn die Rüstungskonzerne vordergründig dabei erst einmal glänzend verdient haben. Die Zeche bezahlen die arbeitenden Menschen im globalen Westen..

Deutschland ist ebenso wie andere NATO-Staaten davon betroffen, dass immer mehr Länder diese Waffen nicht mehr wollen. Nicht nur, weil sie sich in der Ukraine als weitgehend untauglich erwiesen haben. Vor allem deswegen, weil ein Teil der Staaten ihre Konflikte zunehmend friedlich und nicht mehr mit Waffen lösen wollen. Das werden die zukünftigen Absatzzahlen der Rüstungskonzerne belegen. Während sich die NeoCons und ihre oligarchischen Puppenspieler von der Eroberung und Aufteilung Russlands, also dem Zugriff auf die russischen Ressourcen, auf Öl und Erdgas, eine Lösung ihrer ökonomischen Probleme erträumten, hat eine Mehrheit der Menschheitsfamilie ihnen einen massiven politischen Dämpfer versetzt. Die Niederlage der USA und der NATO hat nicht alleine militärische Gründe. Es ist die zunehmende politische Isolation, welche die wirtschaftliche Schwäche des kollektiven Westens zum Vorschein bringt. Die wirtschaftliche Stagnation nicht nur Deutschlands hat politische Ursachen. Es ist die Loslösung der Länder des globalen Südens aus ihrer Abhängigkeit und der Beginn einer endgültigen Entkolonialisierung.

Quellen und Verweise:
[1] Germany Manufactoring PMI
[2] Vergleich der Kampflugzeuge Su-57 vs F-35: Technologische Überlegenheit Russlands über USA

[3] Die russische Wirtschaft liegt nicht in Trümmern. Deutsche Wirtschaft in Trümmern, The Duran 5. Oktober 2023, (Interview in engl. Sprache)

 


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