Die Übersterblichkeit 2020

Die Übersterblichkeit 2020 Destatis

Das statistische Bundesamt veröffentlicht fortlaufend die wöchentlichen Sterbefallzahlen. Momentan herrscht in Deutschland eine leichte Übersterblichkeit, die das Gehirn automatisch mit Corona als Ursache verbindet.

Doch bei genauerer Betrachtung ist dieser Schluss eher zweifelhaft. Ausgeblendet wird, dass nicht nur Corona unser Leben verändert hat.

Die Grafik des statistischen Bundesamtes zeigt als Referenz den Durchschnitt der Jahre 2016 - 2019 einschließlich der Streuung, das heißt der Minimal und Maximalwerte. Gerade an der hohen Streubreite im Frühjahr zeigt sich, dass die Grippewellen teilweise sehr schwer, teilweise aber auch sehr moderat ausfallen können. In diesem Frühjahr ist die Grippewelle aufgrund des Lockdown praktisch ausgefallen, was zunächst zu einer Untersterblichkeit geführt hat. Bis KW12 liegt die rote Kurve unter der blauen. Allerdings hat es etwas länger gedauert, bis das "Sommertal" erreicht war. Diese kurze Zeit einer Übersterblichkeit korreliert mit einem Peak in der Kurve der sogenannten CoViD-Todesfälle.

Während des Sommers ist die Kurve bis auf den "Hitzepeak" in KW34 unauffällig, ebenso die der Corona-Toten. Warum trotz der augenscheinlich geringen Virenaktivität dennoch den ganzen Sommer über Masken- und Abstandsgebote galten und mit einer irreführenden Darstellung der Zahlen (vgl. "Die Fallzahlen und der Lockdown") die Menschen in Angst gehalten wurden, liegt wohl an der etwas merkwürdigen Logik unserer Politiker.

Lange bevor die Zahl der Corona-Todesfälle wieder ansteigt, zeigt sich eine Übersterblichkeit ab KW36, und ab KW41 entspricht diese ungefähr der Zahl der Corona-Todesfälle. Doch daraus kann auch jetzt nicht geschlossen werden, dass Corona die Ursache der Übersterblichkeit ist. Wie schon im September in dem Artikel "Wer stirbt an Corona - ein Blick in die Statistik" gezeigt, stirbt der überwiegende Teil der Corona-Patienten in hohem Alter und schwer vorerkrankt. Man könnte etwas lapidar sagen, wenn sie nicht an Corona gestorben wären, wäre es eine andere Infektion oder Vorerkrankung, die diese Menschen von ihrem Leiden erlöst hätte.

Ein großer Teil der Corona-Toten fällt also unter die "normalen" Todesfälle (täglich sterben ca. 2.600 Menschen in Deutschland) und kann nicht einfach der Übersterblichkeit zugerechnet werden, bloß weil es eben Corona ist. Auch dass es hier eine hohe Dunkelziffer gibt, ist unwahrscheinlich, wird doch zur Zeit fast jeder Patient mit schweren Erkältungssymptomen beim Arzt oder im Krankenhaus getestet.

Um sicherzustellen, dass sich die Altersverteilung der Corona-Toten nicht seit September zu jüngeren Jahren hin verschoben hat, habe ich meine Grafik von September aktualisiert. Referenzwert ist die Altersverteilung der in 2018 Verstorbenen. Verglichen wird diese mit den CoViD-Todesfällen bis zum 11.9. (9.286) und bis zum 15.12. (22.435). Dargestellt sind die prozentualen Anteile einer Altersklasse an der Gesamtzahl der Todesfälle, und auch wenn es nicht so aussieht, ist die Summe immer 100%.

Die Zahlen des RKI liegen leider nur in 10-Jahres-Blöcken vor und wurden gleichmäßig verteilt -- daher das unschöne blockige Aussehen. Wie man sieht, passen die Altersverteilungen sehr gut ineinander. Die aktuelleren Zahlen vom 15.12. sind im Vergleich zu den Septemberwerten sogar noch zu höheren Altersgruppen hin verschoben. Hier findet sich also keinerlei Indiz für Corona als Ursache einer Übersterblichkeit.

Insgesamt starben dieses Jahr übrigens ca. 2% mehr Menschen gegenüber dem langjährigen Durchschnitt, allerdings nur 1% mehr als 2019 und 1% weniger als 2018. Es gibt also keinen Grund für eine übermäßige Sorge. Dennoch bleibt die Frage offen, warum momentan mehr Leute sterben.

Hier sollte nicht aus den Augen verloren werden, dass wir 2020 in einer Atmosphäre der Angst erlebt haben. Es hat ausgefallene und verschobene Arzt- und Krankenhausbesuche gegeben, Vereinsamung gerade bei älteren Menschen, Angst um die eigene Existenz und mehr Suizide. Statt viel Bewegung an der frischen Luft waren Zuhause-Bleiben und Maskentragen angesagt. Sportstätten wurden geschlossen, stattdessen mehr Alkohol verkauft.

Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass diese Kollateralschäden einen großen Teil der Übersterblichkeit mitverursacht haben. Dafür spräche auch, dass Regionen wie Bayern oder Länder wie Frankreich trotz oder gerade wegen massiver Einschränkungen hohe Todeszahlen aufzuweisen haben.

Wie sich die Sterblichkeit im nächsten Jahr weiter entwickeln wird, wenn wir vor einem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Trümmerhaufen stehen, das wird die Zeit zeigen.

 

Quellen und Verweise:
Destatis: Sterbefallzahlen Stand 11.12.2020
CDIM: Sterbefallzahlen
RKI Situationsbericht 15.12.2020  
Altersverteilung 2018: Destatis
CoViD-Todesfälle: RKI Lagebericht 11.9.2020


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